Stilles Örtchen

schwarz, weiß, grau

Anfang November 2020 malte Sabeth Faber das Aquarell „Stilles Örtchen“ mit den beiden Farben Purpur und Violett.

Die Farben Violett und Purpur werden sprachlich nicht genau von einander abgegrenzt, beide bestehen jedoch aus der gleichen Farbmischung, nämlich Blau und Rot, und je nach Mischungsverhältnis entsteht entweder Violett oder Purpur, die letztgenannte Farbe hat einen höheren Anteil an Rot und wird deshalb hin Kunst braucht Zeitund wieder auch als Scharlachrot bezeichnet.

Violett ist die Farbe der Meditation. Der Baum sowie die Bank stehen auf violettem Untergrund, gehören trotz der räumlichen Trennung zusammen.
violett, purpur,     Aus drei bis vier Hauptästen besteht der Baum, es scheint so, als seien diese ursprünglich eigenständige Bäume gewesen, doch durch ihre Nähe zueinander sind sie zusammengewachsen. Die Baumkrone bestätigt diese These, denn links kann man die impressionistisch angebrachten Blätter teilweise als einzelne Bestandteile erkennen, gemeinsam bilden sie einen Haufen, einem Mistelzweig ähnlich. Daneben trägt der Zweig blasse Blätter, die verwischt sind. Rechts davon sind die Blätter zwar auch verwischt, sind aber deutlich dunkler und ganz rechts sind die Zweige blattlos.
     Schlangenartig recken sich die Hauptäste empor, so als könnte es ihnen nicht schnell genug gehen, endlich an ihr Ziel anzukommen. Diese Zielstrebigkeit fällt bei einem flüchtigen Blick auf das Aquarell nicht auf, erst bei längerer Betrachtung kann man sich an dem Winden der Äste ergötzen.
     Während der Baum von der Künstlerin gut ausgearbeitet wurde, wirkt die Sitzbank links unten im Bild violett, purpur,stümperhaft. Für die Sitzfläche sind gerade mal zwei Querstreben, zum Anlehnen drei Querstreben vorgesehen. Das hintere linke Bein hat keine wirkliche Verbindung zur Bank, durch seine Schräglage könnte es zu jederzeit weg knicken. Auf dieser Bank kann man sich nicht wirklich ausruhen und doch verweist die Anzahl der Querstreben (insgesamt fünf) auf den Geist, auf eine Meditation. Im übertragenem Sinn knickt die Realität weg, sie wird in etwas Geistiges transformiert, was man jedoch nicht sofort bemerkt. Die eigentliche Stütze im Aquarell ist der Baum, an den kann man sich anlehnen, von dort aus kann man die Bank betrachten, vielleicht sogar darüber meditieren.

Obgleich das Aquarell nur aus drei Motiven besteht (Baum, Sitzbank und Wasser), die Bank sich nicht zum Verweilen eignet, so ist es dennoch ein stiller Ort, die Stadt ist weit weg, nur noch schemenhaft spiegeln sich die Lichter oben im Bild. Es ist eine angenehme meditative Stille, die auch Betrachter*innen erfassen kann. Es besteht die Möglichkeit sich entweder auf den Baum oder auf die Bank zu konzentrieren, genauso gut aber auch auf die geheimnisvolle Weite.

Zu einem späteren Zeitpunkt überarbeitete die Künstlerin dieses Aquarell und erstellte daraus eine () gleichnamige Grafik.

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